Osmanisches Reich: Aufteilung als Höhepunkt des Kolonialismus


Osmanisches Reich: Aufteilung als Höhepunkt des Kolonialismus
Osmanisches Reich: Aufteilung als Höhepunkt des Kolonialismus
 
Nachkriegsordnung in der arabischen Welt
 
Vorverhandlungen der Ententemächte
 
Die Ententemächte verhandelten bereits während des Ersten Weltkrieges über die Frage, was nach einem Sieg über die Türkei mit den arabischen Gebieten zu geschehen habe, die bis dahin zum Osmanischen Reich gehört hatten. Zwischen Frankreich und Großbritannien wurde das geheime Sykes-Picot-Abkommen ausgehandelt, das für die Mächte zweierlei Territorien vorsah: Einflussgebiete und solche direkter Verwaltung. Für die direkte Verwaltung reservierte sich Großbritannien Palästina und den südlichen Irak, Gebiete, die es bereits militärisch besetzt hatte oder sich zu besetzen anschickte. Für Frankreich waren die Küstengebiete nördlich von Palästina vorgesehen. Als »Einflusszonen« sah das Abkommen für London die südlichen Teile der syrischen Wüste vor, für Paris die nördlichen. Nach der Oktoberrevolution von 1917 schied jedoch das an diesen Gesprächen beteiligte zaristische Russland aus. Weitere Abmachungen schloss die britische Regierung in Kairo mit dem unter osmanischer Oberhoheit stehenden Emir und Scherifen Husain von Mekka ab. Sie wurden in einer Korrespondenz zwischen dem Scherifen und dem britischen Hochkommissar in Ägypten, Sir Henry McMahon, niedergelegt und liefen darauf hinaus, dass dem Scherifen ein »arabisches Reich« für den Fall zugesagt wurde, dass er sich in Mekka gegen die Osmanen erhebe. Eine dritte Abmachung war öffentlich: In einem Brief, den der britische Außenminster Arthur James Balfour 1917 an Lord Rothschild, den Vorsitzenden des zionistischen Kongresses, richtete, wurde den Juden eine »nationale Heimstatt« in Palästina versprochen, wobei die Interessen der einheimischen Bevölkerung nicht geschädigt werden sollten.
 
Mandate statt Einflussgebiete
 
Nach dem Krieg setzte sich jedoch im Laufe der Friedensverhandlungen anstelle des höchst unbestimmten Begriffs »Einflusszonen« unter der Bezeichnung »Mandat« ein neues Konzept durch: Der neu gegründete Völkerbund sollte auf der Grundlage eines von ihm beaufsichtigten Mandats bestimmte Staaten mit der Verwaltung von Gebieten betrauen, die zur Unabhängigkeit geführt werden sollten. Im Vertrag von San Remo aus dem Jahr 1920 ließ sich Großbritannien Palästina und Irak als Mandate zuteilen, Frankreich Libanon und Syrien.
 
Der unerfüllte Vertrag von Sèvres und die enttäuschten Völker
 
Der am 10. August 1920 zwischen den Siegermächten des Ersten Weltkriegs und dem Osmanischen Reich abgeschlossene Vertrag von Sèvres sah die Aufteilung Anatoliens vor. In ihm wurden den Armeniern und den Kurden Staaten oder autonome Gebiete in der östlichen Türkei versprochen; gleichzeitig sollten Frankreich im Süden Anatoliens, Griechenland im Westen und Norden und Italien im Südwesten Gebiete erhalten. Es war vorgesehen, die Meerengen zu internationalisieren. Doch der Vertrag von Sèvres konnte nie verwirklicht werden, weil die von dem späteren Atatürk geführte türkische Nationalbewegung, deren Streitkräfte das griechische Expeditionskorps in Anatolien schlugen, ihre Ansprüche auf ein ungeteiltes Anatolien als Gebiet des Nationalstaates Türkei nicht aufgab und durchsetzen konnte. Der Vertrag von Lausanne von 1924 erkannte diese türkischen Ansprüche an.
 
Für den Scherifen Husain von Mekka, der 1916, unterstützt von dem legendären Edward Thomas Lawrence und anderen britischen Offizieren, einen »Aufstand in der Wüste« begonnen hatte und dessen Beduinenkämpfer 1918 Damaskus erreichten, blieb in der Friedensregelung nur ein arabisches Reich übrig, das die nördlichen Teile der Arabischen Halbinsel umfasste. Von den gebildeten Arabern der Nachkriegszeit wurde die Aufteilung ihrer Länder als ein Vertragsbruch empfunden. Ein arabisches Reich, das die wichtigsten Zentren arabischen Lebens umfasst hätte, Damaskus, Bagdad und Kairo, kam nicht zustande. Auch die Kurden und die Armenier konnten geltend machen, dass die ihnen gewährten Zusagen gebrochen worden waren. Die Armenier erhielten ein Restarmenien im Kaukasus. Die Kurden erhielten keinen Staat; ihre Wohngebiete wurden aufgeteilt zwischen den Nationalstaaten der Türkei und Iran sowie den Mandatsgebieten Syrien und Irak.
 
Die Provinz von Mosul wurde im Mosulvertrag 1925 endgültig dem Irak zugeschlagen. Ankara beanspruchte sie ebenfalls, doch Frankreich stimmte der britischen Lösung zu, nachdem Paris einen Anteil an der Irakischen Erdölgesellschaft erhalten hatte. 1927 wurde auch in Kirkuk Erdöl gefunden.
 
 Der Widerstand der Kolonialvölker
 
Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zeigte ein steigendes Selbstbewusstsein der arabischen Völker. Der Grundsatz des amerikanischen Präsidenten Thomas Woodrow Wilson, nach dem jedes Volk ein Recht auf seinen eigenen nationalen Staat habe, wurde auch von den unter Kolonialherrschaft lebenden Völkern vernommen.
 
Die ägyptische Revolution
 
Die ägyptische Revolution zwischen 1919 und 1923 war die erste und zugleich richtungweisende Erhebung im arabischen Raum. Der Rechtsanwalt und frühere Erziehungsminister Saad Saghlul stellte mit seinen politischen Freunden die Forderung auf, Ägypten solle eine Delegation (arabisch »Wafd«) nach Versailles entsenden, um bei den dortigen Friedensverhandlungen als selbstständiger Staat über seine Zukunft zu verhandeln. Die britische Protektionsmacht, ab 1882 in Ägypten, ließ das nicht zu und verbannte Saghlul 1919 nach Malta. Daraufhin brachen schwere Unruhen aus. Nach der Erschießung von fünf Studenten durfte Saghlul unter dem Eindruck des geschlossenen passiven Widerstandes der Ägypter zurückkehren, wurde aber anschließend erneut verbannt, diesmal auf die Seychellen. Neue Unruhen brachen aus und erzwangen seine Rückkehr. Eine ägyptische Delegation konnte nun nach Paris fahren, wo sie wirksame Öffentlichkeitsarbeit leistete. Schließlich entschloss sich der britische Hochkommissar in Kairo, die Unabhängigkeit Ägyptens anzuerkennen, allerdings mit gewichtigen Einschränkungen: Großbritannien behielt sich die Bereiche der Außen-, Verteidigungs- und Empirepolitik sowie des Schutzes der Ausländer und Minderheiten vor. Der Wafd kämpfte jedoch weiter um mehr Unabhängigkeit. Im Januar 1924 fanden Wahlen statt, die von der Wafd-Partei glänzend gewonnen wurden (191 von 211 Sitzen); Saghlul wurde Ministerpräsident. Die spätere Politik in Ägypten gestaltete sich insgesamt als ein Dreiecksringen zwischen dem ägyptischen Hof, der britischen Protektoratsmacht und den Patrioten der Wafd-Partei. Dabei gelang es dem Hof und den Briten oftmals, Splitterparteien vom Wafd abzuspalten und sie an die Regierung zu bringen. 1936 konnten die ägyptischen Nationalisten der Protektionsmacht weitere wichtige Befugnisse abtrotzen: die Aufhebung der Sondergerichtsbarkeit für Ausländer und die Zuständigkeit der ägyptischen Gerichte für alle Bewohner des Landes. Schließlich waren es 1942 die Engländer selbst, die durch einen kalten Staatsstreich den Wafd an die Macht zurückbrachten, da der Hof mit den ihm hörigen Politikern den Achsenmächten zuneigte, die mit ihren Truppen an der Grenze zu Ägypten standen.
 
Erste Regungen einer Nationalbewegung in Tunesien und Algerien
 
Die Politik der tunesischen Würdenträger gegenüber der französischen Protektoratsmacht zielte darauf ab, die Verfassung des Landes, die schon vor der französischen Zeit vom Bei erlassen worden war, wieder in Kraft treten zu lassen. Sie nannten ihre Partei deshalb »Destour« (»Verfassung«). Der junge Advokat und Journalist Habib Bourguiba spaltete sich von der Destour-Bewegung ab und gründete einen »Néo-Destour«, der mit energischeren Konfrontationsmethoden für die gleichen Ziele eintrat. Die Franzosen verboten beide Parteien und kerkerten ihre Führer ein. Die erste Partei, die für die Unabhängigkeit Algeriens eintrat, der »Étoile nord-africaine« (»Nordafrikanischer Stern«), wurde in Frankreich von Messali Hadj unter eingewanderten algerischen Arbeitern gegründet. Die ursprünglich der Kommunistischen Partei Frankreichs nahe stehende Partei fasste 1936 auch in Algerien selbst Fuß, trennte sich aber von den Kommunisten, da diese ihr Ziel der Unabhängkeit Algeriens von Frankreich nicht teilten. Aus ihren Aktivisten ging Jahrzehnte später (1954) die Algerische Befreiungsfront (FLN) hervor.
 
Aufstand der Rifkabylen in Marokko
 
Im spanischen Teil Marokkos, seit 1912 Protektorat, erhob sich Mohammed Abd el-Krim, ein ehemaliger Angestellter der spanischen Kolonialverwaltung, gestützt auf die Stämme des zentralen Rifgebirges. Er schlug die spanische Besatzungsmacht bei Anual 1921 vernichtend und beherrschte das Rifgebiet mehr als fünf Jahre lang. Erst als er versuchte, seine Macht auch auf den französisch besetzten Hauptteil Marokkos auszudehnen, begannen Franzosen und Spanier im Kampf gegen den Aufstand zusammenzuarbeiten. 1926 wurde Abd el-Krim mehrfach geschlagen und musste sich den Franzosen ergeben. Er wurde auf die Insel La Réunion verbannt und starb 1963 in Kairo. Der spätere spanische Diktator, General Francisco Franco Bahamonde, verdankte seinen raschen militärischen Aufstieg seinen Erfolgen als Kommandeur der spanischen Fremdenlegion in den Kämpfen um das Rifgebiet. Kurz nach der Niederlage Abd el-Krims entstanden in den Städten Fès und Rabat die ersten Gruppen von jungen Nationalisten unter Allal al-Fassi und Ahmed Balafrej, die sich 1937 zur Unabhängigkeitspartei »Istiqlâl« zusammenschlossen. Der Kampf um die Unabhängigkeit ging damit von den Gebirgsstämmen auf die städtischen Eliten über.
 
Im heutigen Libyen trat der mystische Senussi-Orden den italienischen Kolonialisten entgegen, als diese versuchten, ihre Macht auf die Cyrenaika und ins Innere der Sahara auszudehnen. Er leistete den italienischen Truppen zwischen 1923 und 1931 Widerstand. 1931 wurde sein militärischer Führer Omar al-Mukhtar gefangen genommen und mit seinen Gefährten öffentlich gehängt.
 
Kampf um die Einheit und Unabhängigkeit Syriens
 
In Syrien vermochten die Franzosen keine Regelung zu finden, die dem Land Ruhe gebracht hätte. Sie schlugen die kleine Truppe Feisals bei Maysalun im Sommer 1920. Um den Widerstand der Bevölkerung leichter zu brechen zu können, teilten die Mandatsbehörden Syrien auf: Sie bildeten zeitweise die Staaten von Damaskus und von Aleppo, den Staat der Drusen, einer aus dem schiitischen Islam der Ismailiten hervorgegangenen Religionsgemeinschaft, und den der Religionspartei der Alawiten (Nusairier) sowie autonome Gebiete in Alexandrette und Deir az-Zor. Diese Staaten wurden zu einer lockeren Föderation zusammengeschlossen. Die syrischen Nationalisten protestierten heftig gegen diese Zerstückelung der uralten Provinz Syrien. 1922 und 1925/26 kam es zu Aufständen der Drusen sowie zu Unruhen in den Städten. Die 1928 angesetzten Wahlen gewannen die Nationalisten vor allem in den Städten. Das erste allsyrische Parlament gab dem Land nun eine Verfassung, die jedoch der französische Hochkommissar verwarf (1928). Nach der Auflösung des Parlaments kurz danach setzte die Mandatsmacht eine eigene Verfassung für Syrien durch (1930). Im Januar 1936 begann ein Generalstreik, der von blutigen Unruhen begleitet war. Im September 1936 handelten die syrischen Politiker und der Hochkommissar einen syrisch-französischen Staatsvertrag aus, der Syrien nominell die Unabhängigkeit gewährte, jedoch vom französischen Parlament verworfen wurde.
 
Die Türkei beanspruchte das teilweise von Türken bewohnte Gebiet von Alexandrette. Nach einem bitteren politischen Ringen sorgten die Mandatsbehörden dafür, dass der türkische Bevölkerungsteil ein Plebiszit gewann. In der Folge traten sie 1939 noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs dieses Gebiet an die Türkei ab, um zu erreichen, dass die Türkei im bevorstehenden Krieg neutral bleibe. Die Syrer betrachten bis heute Alexandrette als einen Teil ihres Landes. — In der Zwischenzeit war es 1937 zu neuen Unruhen und 1939 zu einem Aufstand im Drusengebiet (Djebel Drus), südlich von Damaskus, gekommen.
 
Libanon als »Staat der arabischen Christen«, Transjordanien als Pufferstaat
 
Das libanesische Staatsgebiet wurde von Frankreich so aus Syrien herausgeschnitten, dass die dort wohnenden Christen eine Mehrheit von 51 Prozent gegenüber den Muslimen bildeten. Um dies zu erreichen, wurden seit alters zu Syrien gehörige Gebiete wie Baalbek und Tripolis dem Libanon zugeteilt. Gestützt auf die knappe Mehrheit der Christen, besonders die Gemeinschaft der Maroniten, konnte die Mandatsmacht in Libanon ein stabiles Regiment führen und ein Parlament einrichten, in dem die verschiedenen Religionsgemeinschaften proportional vertreten waren.
 
Das Gebiet von Transjordanien wurde 1921 von Winston Churchill, damals britischer Staatsekretär für die Kolonien, auf einer Konferenz in Kairo »erfunden«. Abd Allah ibn al-Husain, einer der Söhne des Scherifen Husain von Mekka, war mit einigen Hundert Stammeskriegern nach Amman gezogen, um den Kräften seines Bruders Feisal, die damals in Damaskus eine provisorische Regierung gebildet hatten, zu Hilfe zu kommen. Doch Feisal musste nach seiner Niederlage gegen die Franzosen mit seinen Anhängern Damaskus räumen. Sein Bruder Abd Allah blieb jedoch mit seinen Beduinenkräften in Amman stehen. Churchill schlug ihm vor, Emir, arabisch »Befehlshaber«, von »Transjordanien« zu werden und unter englischer Protektion die Sicherheit seiner beiden Nachbarn, die Syriens und Palästinas, zu gewährleisten. Transjordanien, später Jordanien, wurde ein zunächst von Großbritannien, später den USA und den arabischen Erdölstaaten subventionierter Pufferstaat, der die Sicherheit der längsten Grenze Palästinas, heute Israels, garantierte.
 
Aufstand im Zweistromland
 
Im Irak kam es zu einem gewaltsamen Aufstand gegen die britische Mandatsmacht, der vom 30. Juni 1920 bis zum Oktober desselben Jahres dauerte und erst von der britschen Armee nach bedeutenden Verlusten an Mannschaften und Gütern niedergeschlagen werden konnte. Großbritannien ließ daraufhin ein Plebiszit durchführen, kraft dessen Feisal, der Sohn des Scherifen Husain, zum König des Iraks gewählt wurde. Doch London behielt sich die Außen- und Verteidigungspolitik vor. 1932 wurde der Irak für unabhängig erklärt und erhielt sogar einen Sitz im Völkerbund, doch das Land blieb durch einen neuen Staatsvertrag an Großbritannien gebunden. Britische Truppen, besonders die Luftwaffe, blieben auf irakischen Basen stationiert. Von 1936 an begannen irakische Offiziere durch Staatsstreiche in die Politik einzugreifen.
 
Die Arabische Halbinsel
 
Das Innere der Arabischen Halbinsel und der nördliche Jemen wurden nicht kolonialisiert. Der arabische Herrscher Abd al-Asis Ibn Saud schlug — vom Inneren der Halbinsel aus — 1925 den Scherifen Husain von Mekka mithilfe seiner wahhabitischen Stammeskrieger, Angehörigen einer puritanischen Religionsrichtung und sesshaft gewordenen Beduinen. Er konnte so die nördliche Hälfte der ganzen Halbinsel unter seiner Herrschaft vereinen, während im Jemen der Imam Jahja seit dem Abzug der Türken (1918) und trotz eines verlorenen Krieges gegen Saudi-Arabien von 1934 bis nach dem Zweiten Weltkrieg als absoluter Herrscher an der Macht blieb.
 
Am südlichen Rande der Halbinsel hielten die Engländer von Aden — die Hafenstadt selbst war eine Kolonie — bis nach Kuwait zahlreiche durch Verträge und Unterstützungsleistungen an sie gebundene Kleinherrschaften aufrecht. Dies geschah, um anderen Mächten eine politische oder militärische Präsenz auf dem Verbindungsweg nach Indien zu verweigern. Auf den Inseln von Bahrain, einem dieser Territorien, wurde 1932 Erdöl gefunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte in fast allen anderen Kleinstaaten und Scheichtümern am Persischen Golf ebenfalls Öl gefunden werden.
 
Gesellschaftliche Veränderungen
 
In allen Kolonialländern der arabischen Zone bewirkten die kolonialen Verwaltungen erhebliche gesellschaftliche Veränderungen. Große Teile der Bevölkerung, vor allem der männlichen, erhielten eine Schulbildung europäischen Stils. Die Kolonialherren legten Straßen, Eisenbahnlinien und Häfen an, setzten Bewässerungsarbeiten am Nil fort und begannen sie an Tigris und Euphrat. In allen Kolonialgebieten wuchsen neben den Städten der Einheimischen »europäische« Städte empor. Erst nach der Unabhängigkeit begannen die einheimischen Mittelschichten in diese neuen Städte zu ziehen. Das traditionelle Handwerk litt unter der Konkurrenz der europäischen Industrieprodukte und kam weitgehend zum Erliegen. Die Landwirtschaft wurde auf Exportprodukte, besonders Baumwolle und Hartweizen, umgestellt. Erdöl wurde im Irak (Mosul, Kirkuk) und in Persien (Takht-e Solaiman) gefördert; die ersten Rohrleitungen, die Kirkuk durch die Syrische Wüste hindurch mit den Häfen Haifa und Tripolis verbanden, wurden in den 1930er-Jahren gelegt. Der technologische und wirtschaftliche Fortschritt kam in erster Linie den kolonialen Beamten, Siedlern, Unternehmern und, finanziell, den europäischen Metropolen zugute. Doch entstanden allmählich auch unter den einheimischen Bevölkerungen neue, in den westlichen Wissenszweigen ausgebildete Mittelschichten.
 
Dr. Arnold Hottinger
 
Weiterführende Erläuterungen finden Sie auch unter:
 
Türkei: Kemal Atatürk
 
Grundlegende Informationen finden Sie unter:
 
Osmanisches Reich: 1856 bis 1918
 
 
Berque, Jacques: Die Araber. Aus dem Französischen. Köln 1960.
 Bräker, Hans: Es wird kein Friede sein. Der islamische Orient im Zangengriff von West und Ost. München u. a. 1992.
 Büttner, Friedemann / Klostermeier, Inge: Ägypten. München 1991.
 Hussain, Taha: Au-delà du Nil, herausgegeben von Jacques Berque. Aus dem Arabischen. Neuausgabe Paris 1990.
 Hussain, Taha: Kindheitstage. Aus dem Arabischen. Lizenzausgabe Berlin 1985.
 
Der Islam in der Gegenwart, herausgegeben von Werner Ende und Udo Steinbach. München 41996.
 Nagel, Tilman: Staat und Glaubensgemeinschaft im Islam. Geschichte der politischen Ordnungsvorstellungen der Muslime. 2 Bände Zürich u. a. 1981.
 Picaudou, Nadine: La décennie qui ébranla le Moyen-Orient. 1914-1923. Brüssel 1992.
 
Politisches Lexikon Nahost, Nordafrika, herausgegeben von Udo Steinbach u. a. München 31994.
 
Reform und Revolution in der islamischen Welt. Von der osmanischen Imperialdoktrin zum arabischen Sozialismus, herausgegeben von Friedemann Büttner. München 1971.
 Said, Edward W.: Orientalismus. Aus dem Englischen. Frankfurt am Main u. a. 1981.
 Schulze, Reinhard: Geschichte der islamischen Welt im 20. Jahrhundert. München 1994.

Universal-Lexikon. 2012.

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